Podcast #15

Glem und die Marille

Dort, wo die Sonne untergeht und der große schneebedeckte Berg aufsteigt, wo gleich dahinter der tiefblaue See liegt, der an den duftenden Wald grenzt, wo Rehe, Hasen, Füchse, Spechte und viele andere Tiere seit jeher als Freunde zusammenleben, liegt die schönste aller Wiesen, mit Tausenden von blühenden Blumen. Genau hier lebt unser kleiner Schmetterling Glem.

 

Glem ist der jüngste Schmetterling von sieben Kindern. Er liebt es, über die Wiesen zu flattern, neugierig die Natur zu entdecken und Zeit mit seinen Freundinnen und Freunden, den Pflanzen und Tieren zu verbringen.

So kam es, dass Glem an einem heißen Junitag wieder über seine geliebte Wiese gaukelte. Die Luft duftete nach Sonnenstrahlen, der Wind streichelte sanft und warm die Grashalme und die Bienen summten ihre schwungvollsten Sommerhits. Vergnügt flog unser Schmetterling vor sich hin und plötzlich sah er von weitem, dass da jemand unter dem prächtigen Marillenbaum im Schatten saß. Aber wer? Das musste Glem natürlich sofort herausfinden, flatterte näher und erkannte Sigi, das Igelkind, Gustav Grashüpfer und Mila Maus. Die drei lehnten am Baumstamm. Regungslos, bewegungslos, keiner rührte sich.

„Guten Tag, ihr Lieben! Was macht ihr denn da?“, fragte Glem.
„Wir spielen, wer am besten am Baum lehnen kann“, erwiderte Sigi und wischte sich eine Schweißperle von der Stirn.
„Ja, für alle anderen Spiele ist es nämlich heute einfach zu heiß“, sagte Mila Maus.
Gustav Grashüpfer nickte nur und seufzte.
„Dann fächel ich euch einfach mal ein bisschen Luft zu!“, sagte Glem. Ganz dicht kam er an die drei heran und bewegte seine Flügel schnell auf und ab und auf und ab und auf und ab. Alle schlossen genussvoll die Augen, lachten und bedankten sich bei Glem. Das tat gut!
Schließlich wurde es dem kleinen Schmetterling auch zu heiß und er setzte sich neben Sigi Igelkind, Gustav Grashüpfer und Mila Maus ins Gras. Da fiel ihm der süße Geruch der Marillen auf. Mmmm, einfach wunderbar köstlich!

„Ich habe eine Idee. Wir könnten ‚Ich sehe was, was du nicht siehst‘ spielen“, schlug Glem vor. „Da muss man nämlich nur die Augen bewegen. Sonst nichts.“
„Gute Idee“, rief Mila und auch die anderen waren einverstanden.
„Ich fang an! Also: Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist grün.“
Es wurde wild durcheinandergerufen. Die Grashalme? Gustav Grashüpfer? Der Stängel des Gänseblümchens da drüben? Doch Mila Maus schüttelte schmunzelnd den Kopf. Schließlich gaben alle auf.
„Na gut, ich verrate es euch: die Blätter vom Marillenbaum!“ Mila Maus kicherte und die anderen seufzten enttäuscht. Darauf hätten sie natürlich kommen können! So war Mila Maus noch einmal an der Reihe.
„Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist orange!“
Orange? Die drei überlegten, blickten sich um, schauten umher.
„Ich weiß es, ich weiß es! Die Marillen!?“ überaus beglückt deutete Gustav Grashüpfer mit seinen langen, zarten Beinen auf die orange-roten Marillen, die an den Zweigen des Baumes hingen.
„Richtig!“ Mila klatschte begeistertet in ihre Pfoten.

„Sagt mal … wisst ihr eigentlich, warum Marillen so orange sind?“ fragte Glem.
Alle zuckten mit den Schultern. Nein, das wusste keiner.
„Ich weiß nur, dass Marillen sehr gesund sind“, fing Sigi an zu erzählen. „Sie haben viele Vitamine, Mineralstoffe und viel Wasser, was im Sommer besonders gut tut. Außerdem helfen sie, dass sich Haut, Fell und Stacheln besser gegen die Sonne schützen können. Das weiß ich alles von meinem Bruder und der hat das in der Naturschule von der Lehrerin Langohr gelernt.“
Alle bewunderten, wie viel Sigi wusste, und der kleine Igel wurde ein bisschen rot.
„Ich weiß nur, dass ich Marillen liiiiebe. Sie schmeckten so süß und saftig und köstlich!“, schwärmte Mila Maus.
Glem überlegte stumm für sich weiter. Aber warum waren die Marillen so orange? Dafür musste es doch einen Grund geben …

Mit einem Mal hörten sie eine Stimme.
„Ich verrate es euch.“ Es war der Marillenbaum selbst, der sich mit freundlicher Stimme an die Tierkinder wandte.
„Also: in meinen Früchten gibt es einen Stoff, der Beta-Carotin genannt wird, und dieser sorgt dafür, dass meine Marillen so orange werden. Abgesehen davon trägt Beta-Carotin dazu bei, dass Marillen noch für etwas anderes gut sind.“
„Wofür denn?“, fragte Glem neugierig nach.
„Das könnt ihr am Marillenkern erkennen. Schaut euch den mal genauer an …“
Der Baum ließ eine seiner Früchte zu Boden fallen und sehr aufgeregt öffnete Mila Maus die weiche, samtige Marille.
„Ähhh … und jetzt?“
Da sprach der Baum geheimnisvoll: „Ich sehe was, was ihr auch seht, und das ist ein Marillenkern, der aussieht wie …?“
„Wie ein Auge! Wie ein Auge! Für unsere Augen sind Marillen gut“, jubelte Glem.
„Ganz richtig. Der Stoff Beta-Carotin wird nämlich vom Körper in Vitamin A umgewandelt und dieses Vitamin ist besonders gut für die Augen“, erklärte der Baum.
„Da ist ja wunderbar! Dann essen wir jetzt ein paar Marillen und dann können wir noch viel besser ‚Ich sehe was, was du nicht siehst‘ spielen“, lachte Mila Maus.
Der Marillenbaum freute sich und ließ gleich noch mehr Früchte von seinen Zweigen fallen. So schmatzten die vier Tierkinder genüsslich vor sich hin und erlebten an diesem heißen Junitag gemeinsam noch viele schöne Augenblicke.

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