Podcast #14

Glem und die Mandelmilch

Dort, wo die Sonne untergeht und der große schneebedeckte Berg aufsteigt, wo gleich dahinter der tiefblaue See liegt, der an den duftenden Wald grenzt, wo Rehe, Hasen, Füchse, Spechte und viele andere Tiere seit jeher als Freunde zusammenleben, liegt die schönste aller Wiesen mit Tausenden von blühenden Blumen. Genau hier lebt unser kleiner Schmetterling Glem.

 

Glem ist der jüngste Schmetterling von sieben Kindern. Er liebt es, über die Wiesen zu flattern, neugierig die Natur zu entdecken und Zeit mit seinen Freundinnen und Freunden, den Pflanzen und Tieren zu verbringen.

An einem warmen, frühlingshaften Tag im Mai hatte Glem etwas ganz Besonderes vor. Etwas, worauf er sich schon sehr gefreut hatte, denn er würde sich mit einem seiner besten Freunde zum Spielen treffen – mit Sigi, dem Igelkind.

Gleich nach dem Mittagessen gaukelte der kleine Schmetterling zur großen Waldlichtung los, wo Sigi schon auf ihn wartete. Dieser saß gemütlich auf einem weichen Moosbett, ließ sich die Sonne auf die Stacheln scheinen und winkte Glem schon von Weitem zu.

„Haaaaalloo, Glehem!“

„Sigiiii! Ist das schön, dich zu sehen!“, jubelte Glem.

Die beiden Freunde gaben einander Pfote und Flügel zur Begrüßung und legten sofort mit einem ihrer Lieblingsspiele los: Verstecken.

„Ich schau zuerst ein!“, meinte Sigi. „Aber hoch oben verstecken gilt nicht, gut? Nur am Boden, gut? Und nur auf der Lichtung, gut?“

„Na guuut!“, sagte Glem. „Und vergiss nicht: Schummeln gilt auch nicht!“

„Ja, ja, abgemacht!“ seufzte Sigi, vergrub seine Schnauze in den Pfoten und begann zu zählen. „Eins … zwei … drei …“

Glem flatterte flink auf der Lichtung umher und hielt nach einem Versteck Ausschau. Unter einem Blatt vielleicht? Nein, da hatte er sich schon das letzte Mal versteckt. Hinter einem der Bäume? Vielleicht hinter der großen Fichte? Nein, da würde Sigi bestimmt gleich nachsehen. Oder neben dem großen Felsen? Das ging auch nicht, da hatte sich ja Sigi das letzte Mal versteckt. Oder … Oder … Glem suchte und suchte und da kam ihm plötzlich eine Idee. Während Sigi konzentriert zählte, landete unser kleiner Schmetterling langsam, vorsichtig und so sanft wie möglich auf dem Stachelkleid des Igelkindes und bewegte sich nicht, rührte sich nicht, machte keinen Mucks.

„Ich koooooommmmeeeeee!“, brüllte Sigi mit einem Mal. Er sah sich nach allen Seiten um und begann, über die große Lichtung zu krabbeln.
Auf der Lichtung war es still – fast so still, dass man eine Tannennadel hätte fallen hören können. Nur ab und zu durchbrach die Stille ein Blätterrauschen, ein Vogelgezwitscher oder das leise Summen einer Biene.

„Wo bist du nuuur? Ich finde diiiich!“

Sigi suchte die ganze Lichtung ab, blickte unter jedes Blatt, hinter jeden Baum, neben jeden Felsen, doch er fand seinen Freund einfach nicht, der in der Zwischenzeit auf seinem Rücken saß und alles tat, um nicht loszulachen.

„Glem? Glehem? Wo hast du dich nur versteckt? Wir haben gesagt, nur auf der Lichtung und nicht in der Luft!“
Während der kleine Igel suchte und suchte, kam Martin Marienkäfer angeflogen und rief „Hallo, Sigi! Hallo, Glem! Was spielt ihr da? Pferderennen? Darf ich mitmachen?“

Sigi blieb wie angewurzelt stehen und verdrehte seine Knopfaugen nach oben.

„Glem?“ Jetzt konnte sich der kleine Schmetterling nicht mehr halten – er kicherte und prustete los. So sehr, dass auch Sigi und Martin mit ihm mitlachen mussten.
„Na du bist mir einer, Glem!“, meinte Sigi schließlich und wischte sich eine Lachträne aus dem linken Auge. „Aber ich muss schon sagen: ein gutes Versteck! Wirklich ein sehr gutes Versteck! Das mach ich auch einmal bei dir!“.

Bei der nächsten Runde war Martin Marienkäfer auch dabei und so spielten sie drei den ganzen Nachmittag, bis sie eine Pause brauchten. Und genau zur richtigen Zeit tauchte da Mama Igel auf und brachte etwas auf einem Tablett daher: Mandelmilch für alle! Sie stellte die vier Gläser auf einem kleinen Baumstumpf ab und glücklich über diese Stärkung, kamen die drei Freunde in Windeseile heran.

Glem war besonders neugierig, denn Mandelmilch hatte er noch nie getrunken und er wollte unbedingt einmal kosten. Er nahm einen Schluck von der weißen Flüssigkeit. Nussig schmeckte das, so mild und ganz, ganz wenig süß!

„Ooooh, das ist lecker!“ schwärmte Martin Marienkäfer und trank genüsslich sein Glas leer.

„Ja, Mandelmilch ist etwas Feines. Sie schmeckt nicht nur gut. Sie tut auch sehr gut. Außerdem gibt sie euch Kraft und Energie, damit ihr heute noch lange Verstecken spielen könnt“, erklärte Mama Igel.

Sigi schlürfte zufrieden aus seinem Glas und wischte sich danach mit der Pfote den Mund ab. „Das stimmt! Und der Papa sagt, wenn er viel Mandelmilch trinkt, dann pflegt das sogar seine Stacheln. Sie glänzen dann so und werden stark und trotzdem irgendwie geschmeidig.“

Mama Igel schmunzelte und nickte zustimmend.

„Na wenn das so ist, Sigi“, rief Glem, „dann trink auf jeden Fall ganz viel Mandelmilch. Wenn ich mich das nächste Mal verstecke, dann werde ich gleich schauen und fühlen, ob deine Stacheln anders sind.“

Und kaum hatte er das gesagt, prusteten er, Sigi und Martin wieder los, und als sie Mama Igel erzählten warum, konnte die sich auch kaum mehr halten vor lauter Lachen.

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