Podcast #12

Glem und der Feldhase

Dort wo die Sonne untergeht und der große schneebedeckte Berg aufsteigt, wo gleich dahinter der tiefblaue See liegt, der an den duftenden Wald grenzt, wo Rehe, Hasen, Füchse, Spechte und viele andere Tiere seit jeher als Freunde zusammen leben, liegt die schönste aller Wiesen mit tausenden von blühenden Blumen. Genau hier lebt unser kleiner Schmetterling Glem.

 

Glem ist der jüngste Schmetterling von sieben Kindern und heute möchte er lieber gar nicht erst hinausflattern. Die Kälte hat die Wiese fest im Griff und unter der dicken Schneedecke schaut kein Grashalm heraus. Nur die Spuren von Rehen und gelegentlich auch die vom Feldhasen sieht man manchmal darauf. Glem jedenfalls hat fix vor keinen Flügel vor die Tür zu setzen und hat es sich im Schmetterlingshaus so richtig gemütlich gemacht. Mit einer leckeren Tasse heißem Blütennektar und mit einer Decke auf dem Sofa einkuscheln – mehr möchte er heute nicht machen.

Er war aus gerade fast eingedöst, da hörte er ein lautes Wehklagen von draußen.
„Au Weh, au Weh. Au Weeeeeeeh!“ tönte es und als Glem vorsichtig durch das Fenster hinaus lugte, da sah er doch tatsächlich den Feldhasen unweit vom Haus im Schnee sitzen.

 

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Aber was machte er denn da? Er hielt mit den Pfoten beide Ohren fest. Glem öffnete das Fenster und rief: „Guten Tag Feldhase! Was fehlt dir denn?“ Der Feldhase nahm verlegen die Pfoten von den Ohren und antwortete: „Hallo Glem. Weißt du, meine Ohren sind so empfindlich und diese Kälte mögen sie gar nicht. Da wird meine Haut immer ganz trocken und rissig und das tut mir sehr weh.“ „Oh du Armer!“ rief Glem. „Warte einen Moment, ich komme nach draußen. Vielleicht fällt uns ja gemeinsam ein, wie wir deinen armen Ohren helfen könnten.“

Glem zog sich noch schnell seine Fühlerwärmer über und schwups, war er schon aus dem Haus.Ganz außer Atem kam er beim Feldhasen an und als dieser ihm seine armen Ohren zeigte, da rief Glem: Das ist ja furchtbar. Da müssen wir dringend etwas dagegen tun.“
Sie berieten eine Weile hin und her, aber es wollte ihnen nicht so recht etwas einfallen.

Plötzlich hörte Glem hinter sich eine vertraute Stimme: “ Was steckt ihr beiden denn hier die Köpfe so zusammen?“ Glem wirbelte herum – und traute seinen Augen nicht! Hinter ihm stand Sam die Schwalbe und grinste ganz vergnügt. „Was machst du denn hier? Ist dir nicht viel zu kalt?“ Glem beäugte seinen Freund, der von Kopf bis Fuß in einen dicken Wintermantel gehüllt war. „Ja schon.“ seufzte Sam. „Aber mein bester Freund, die Krähe Konrad heiratet morgen und da darf ich natürlich nicht fehlen!“

Aber ich habe etwas mitgebracht, damit mein Gefieder nicht zu trocken wird. Er öffnete einen geheimnisvoll aussehenden Tiegel. Darin befand sich eine noch geheimnisvollere Substanz, die ein bisschen wie Butter aussah. „Ist das etwas zu essen?“ fragte der Feldhase neugierig – er war immer hungrig… „Nein, es ist eine Pflege für meine Federn. Damit trocknen sie in der Kälte nicht aus und bleiben schön elastisch und geschmeidig.

„Das ist ja perfekt!“ freute sich Glem. „Lieber Sam, könntest du dem Feldhasen vielleicht ein bisschen davon für seine Ohren geben? Die sind schrecklich trocken und schmerzen.

„Aber selbstverständlich“ lachte die Schwalbe und drückte dem Feldhasen den Tiegel in die Hand. „Was – du willst mir gleich alles geben?“ fragte der Feldhase verblüfft.

„Das mache ich doch gerne.“ antwortete die Schwalbe lachend. Ich habe gleich mehr mitgebracht. Ich fliege morgen wieder zurück, aber wenn ich im Sommer mit den anderen Schwalben wiederkomme, nehme ich dir gerne einen Vorrat davon mit – für den nächsten Winter!“ Kannst du erraten, was die Schwalbe da mitgebracht hat? Richtig: Sheabutter – die pflegt Haut und Haare seidenweich.

Der Feldhase jedenfalls war überglücklich und Glem lud die beiden noch auf eine Tasse heißen Nektar zu sich nach Hause ein. Der Hase nahm dann doch lieber Karottensaft, aber das macht ja nichts!

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