Podcast #16

Glem und der Familienausflug

Dort, wo die Sonne untergeht und der große schneebedeckte Berg aufsteigt, wo gleich dahinter der tiefblaue See liegt, der an den duftenden Wald grenzt, wo Rehe, Hasen, Füchse, Spechte und viele andere Tiere seit jeher als Freunde zusammenleben, liegt die schönste aller Wiesen, mit Tausenden von blühenden Blumen. Genau hier lebt unser kleiner Schmetterling Glem.

 

Glem ist der jüngste Schmetterling von sieben Kindern. Er liebt es, über die Wiesen zu flattern, neugierig die Natur zu entdecken und Zeit mit seinen Freundinnen und Freunden, den Pflanzen und Tieren zu verbringen. Und nicht nur Glem liebt es – seine ganze Familie, seine Geschwister und Eltern sind allesamt begeisterte Naturentdecker und Naturentdeckerinnen!

So kam es, dass sich die Schmetterlingsfamilie eines schönen Julinachmittages – kurz nach dem Nektarmittagessen – zu ihrem traditionellen Sommerausflug aufmachte. Beziehungsweise zu ihrem Sommerausflugflug. Nur die Eltern wussten, wohin die Reise gehen würde. Sie flatterten voran und all ihre sieben Kinder hinterher. Die Sonne lachte vom strahlend blauen Himmel, kein einziges Wölkchen war zu sehen.
„Ich bin sicher, wir fliegen zum großen Teich!“, meinte Glems älteste Schwester Glemma überzeugt.
„Quatsch, da waren wir doch schon letztes Jahr!“ erwiderte Glems Bruder Glim. Glem war jedenfalls gespannt – wohin würde die Reise wohl diesmal gehen?
Sie flatterten und flatterten und es dauerte nicht lange, da wurden die Kinder müde und ungeduldig.
„Wann sind wir endlich da-a?“
„Mir tun die Flügel weh!“
„Ich muss Pipi und außerdem hab ich Hunger!“

„Keine Sorge, Kinder! Gleich haben wir’s geschafft!“, beruhigte Glems Mama ihre kleine Schmetterlingsbande.
Und wirklich: bald hatten sie das Ziel ihrer Reise erreicht.
„Seht nur! Ist es nicht einfach wunderschön?“, rief Papa Schmetterling entzückt und sah mit verklärtem Blick auf das riesengroße Weizenfeld, das wie ein hellbraunes, weiches Meer vor ihnen lag.
Glem schmunzelte und musste an den letzten Sommer denken. Damals hatte er einem Glühwürmchen, das im Weizenfeld verloren gegangen war, geholfen, wieder den Weg nach draußen und nach Hause zu finden.
„Wusstet ihr, dass die Menschen seit über 7.000 Jahren Weizen anbauen? Ja, es zählt damit zu den ältesten Getreidesorten überhaupt. Und wusstet ihr, dass dieses Getreide zur Familie der Süßgräser zählt? Und wusstet ihr, dass diese langen dünnen Halme, die von den Körnern wegstehen, „Grannen“ genannt werden?“, begann Papa Schmetterling begeistert zu erzählen und sein Wissen zu teilen.
„Ja, das wussten wir, Papa!“, rief Glemma „Aber wusstest du auch, dass man über einem Weizenfeld ganz besonders gut Fangen spielen kann?“ Sie stupste ihren Vater vergnügt mit den Fühlern an und schon begann die ganze Familie lachend und begeistert über dem Weizenfeldmeer Fangen zu spielen.
Völlig außer Atem und sehr glücklich landeten schließlich alle auf einem alten Baumstamm, der neben dem Feld lag. Der Himmel wurde langsam in die Farben der Dämmerung getaucht. Rosarot mischte sich mit Blau, Blau mischte sich mit Rosarot.
„Ooooooh …. Das ist schööööön!“, schwärmte Glem. „Aber sag Papa? … Sollten wir nicht langsam nach Hause fliegen?“
„Nein, mein Kleiner!“ antwortete Glems Vater und blickte ganz geheimnisvoll.
„Es gibt jetzt gleich noch eine Überraschung! Wir müssen nur noch warten, bis die Dunkelheit hereingebrochen ist“, fügte Glems Mama hinzu und die Kinder bekamen riesengroße Augen.

So warteten und warteten und warteten alle auf ihren Baumstammplätzen. Gespannt, neugierig, vorfreudig. Und sie wurden nur noch gespannter, neugieriger und vorfreudiger, als sich immer mehr Tiere – groß und klein – zu ihnen auf den Baumstamm gesellten. Was war die Überraschung?
Als der rotorange Sonnenball untergangen und die Dunkelheit ihre Decke über den Abend gelegt hatte, hörten alle plötzlich eine Stimme. Die Stimme von Zikadia – der berühmtesten Sängerin der Wald- und Wiesenwelt.
„Willkommen, ihr Lieben! Willkommen zu meinem Sommerkonzert im Weizenfeld! Ich freue mich, für euch alle heute, an diesem einzigartigen Sommerabend, meine schönsten Sommerlieder zu singen und das gemeinsam mit meiner Zikaden-Grillen-Gelsen-Band!“ Alle applaudierten, eine Welle der Gänsehaut durchzog den Baumstamm.
„Und wisst ihr was?“, setzte Zikadia fort „Wir haben uns dieses Jahr etwas ganz Besonderes überlegt, denn dieses Jahr gibt es eine grandiose Lichterflugshow von unseren funkelnden Glühwürmchen! Genießt, tanzt, singt, flattert und flügelt, was das Zeug hält. Es ist schön, dass ihr da seid!!!“
„Zikaaadiaaaa!“ jubelte das ganze Publikum und schon beim ersten Lied wussten alle, dass dies das Konzert des Jahres sein würde. Zikadia und ihre Band spielten einen Hit nach dem anderen und die Lichterflugshow der Glühwürmchen war einfach atemberaubend. Glem und seine Geschwister konnten ihr Glück kaum fassen und Glems Eltern blickten einander zufrieden an: Überraschung gelungen! Welch ein großartiger Familienausflugflug. Dieser würde allen noch sehr lange in Erinnerung bleiben …

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