Podcast #17

Glem findet einen Brieffreund

Dort, wo die Sonne untergeht und der große schneebedeckte Berg aufsteigt, wo gleich dahinter der tiefblaue See liegt, der an den duftenden Wald grenzt, wo Rehe, Hasen, Füchse, Spechte und viele andere Tiere seit jeher als Freunde zusammenleben, liegt die schönste aller Wiesen mit Tausenden von blühenden Blumen. Genau hier lebt unser kleiner Schmetterling Glem.

 

Glem ist der jüngste Schmetterling von sieben Kindern. Er liebt es, über die Wiesen zu flattern, neugierig die Natur zu entdecken und Zeit mit seinen Freundinnen und Freunden, den Pflanzen und Tieren zu verbringen.
Als Glem eines sommerlichen Tages wieder einmal über die Blumen und Gräser gaukelte, kam unserem kleinen Schmetterling plötzlich ein Gedanke: „Ich kenne so viel rund um mich – diese zauberhafte Blumenwiese, den duftenden Wald, den tiefblauen See. Doch wie schön wäre es, auch andere Länder und ihre Natur zu entdecken. Ach … am liebsten würde ich sofort losfliegen und herausfinden, was es da noch so alles auf dieser wunderbaren Welt gibt.“
Glem wusste allerdings, dass er dafür einfach noch zu klein war. Seine Eltern und Geschwister würden ihn niemals um die ganze Welt fliegen lassen. Doch da kam unserem Schmetterling eine Idee!
So schnell ihn seine Flügel trugen, flatterte er nach Hause und schrieb dort auf ein Blatt: „Hallo, mein Name ist Glem. Ich bin ein Schmetterling und lebe auf einer Wiese mit tausenden blühenden Blumen. Der Grund, warum ich diesen Brief schreibe, ist, weil ich so gerne mehr über die Pflanzen und Tiere dieser Erde wissen will. Wenn du das hier liest, dann schreib mir doch bitte zurück und erzähle mir von dir. Wer bist du und wo lebst du? Wie alt bist du und wie groß bist du? Was kannst du besonders gut und wer sind deine Freunde? Ich freue mich sehr auf deine Antwort! Mit beflügelnden Schmetterlingsgrüßen, Glem“.
Sobald er den Brief fertig geschrieben hatte, überließ ihn Glem dem Wind mit den Worten: „Lieber Wind, bitte trag diesen Brief als Luftpost so weit du kannst. Je weiter, desto wunderbarer. Ich danke dir!“ Und der Wind, der gab sein Bestes …

Nun hieß es für Glem warten. Voller Ungeduld fragte er immer wieder beim Wind nach, ob dieser schon eine Antwort für ihn hätte. Doch nein … Glem musste sich weiterhin gedulden. Tagelang, wochenlang. Ob der Brief überhaupt irgendwo angekommen war? Vielleicht war er auf dem Weg verloren gegangen?
Gerade an dem Tag, an dem Glem schon gar nicht mehr glauben wollte, dass er eine Antwort bekommen würde, schleimte Charlie Schneckenkind daher und auf seinem Rücken trug er ein grünes, zusammengerolltes Blatt.
„Trariiii traraaaa, die Schneckenpost ist da. Schau mal, was da der Wind auf meinem Schneckenhaus für dich abgesetzt hat, Glem!“
„Ein Briiiiiief!“, jubelte Glem. „Ein Briiief für mich!!!!“
Ganz aufgeregt rollte Glem das Blatt auf und las Charlie vor: „Hola, Glem! Me llamo Jojoba, ich heiße Jojoba (ausgesprochen: Hohoba), wobei mich viele Menschen auf der Welt auch Jojoba nennen. Ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut, denn weißt du, ich lebe in der Wüste von Mexiko und da bekommt man nicht so viele Briefe. Gracias für deine Fragen – gerne erzähle ich dir mehr über mich. Entonces, wie gesagt: mein Name ist Ho-ho-ba, so nannten mich die Ureinwohner und Ureinwohnerinnen schon vor 25.000 Jahren. Si, so lange gibt es mich und meine Familie schon auf dieser Erde! Es gibt uns aber nicht nur in Mexiko, sondern auch in anderen Ländern, die die Menschen Israel, Australien, Kalifornien oder Argentinien nennen. Vorgestern bin ich 129 Jahre alt geworden; wir Ho-ho-bas können übrigens bis zu 200 Jahre alt werden.
Ich bin fast vier Meter groß, meine Wurzeln reichen bis zu 10 Meter in die Tiefe und manche sagen, ich schaue so ähnlich aus wie ein Olivenbaum. Auf jeden Fall bin ich immer grün und die Menschen mögen an mir vor allem meine Früchte, die wie kleine Kapseln ausschauen und in denen ganz wertvolle Samen drin sind.
Aus den Samen pressen die Menschen ein Wachs, das so ähnlich wie Öl oder flüssiges Gold ausschaut. Das heißt, mein Jojoba-Öl ist eigentlich Jojoba-Wachs! Und das kann ganz schön viel.
Es kann vor der Sonne schützen, kann beim Verheilen von Wunden und bei Juckreiz helfen und es soll auch Haare und Haut sehr gut pflegen. Zumindest sagen das die Leute, wenn sie meine Früchte ernten und sich dabei über mich unterhalten. Die merken glaub ich gar nicht, wie gut ich ihnen zuhöre. Freunde habe ich einige, wobei meine besten Freunde der Wind und das Wasser sind. Wasser ist was Tolles, Glem! Das Wertvollste, was es auf dieser Welt gibt. Entonces, mein lieber Freund, jetzt weißt du mehr über mich. Und jetzt will ich auch mehr über dich erfahren! Schreib mir, ich freu mich auf deinen Brief. Adios, dein Jojoba“.
„Chaaaarliiie! Jetzt hab ich einen Freund in Mexiko. Einen Freund, der flüssiges Gold machen kann. Ich muss ihm sofort antworten!!!!“
„Goldrichtig!“, antwortete Charlie Schneckenkind. „Du musst ihm noch heute schreiben. Und richte ihm bitte liebe Grüße von mir aus.“
Und das tat Glem noch am selben Tag, beglückt und voller Freude über seinen neuen Brieffreund Jojoba …

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